Zwiesel: Glasstadt und Glastradition im Bayerischen Wald

Von Julius
7 Min. Lesezeit

Wer im Herzen des Bayerischen Waldes unterwegs ist, kommt an einem Ort kaum vorbei: Die Stadt Zwiesel steht für Handwerk und Glastradition wie kaum eine andere Gemeinde der Region. Zwischen dem Großen und dem Kleinen Regen gelegen, hat sich der staatlich anerkannte Luftkurort über Jahrhunderte einen Namen als Glasstadt gemacht. Bis heute prägen Hütten, Werkstätten und ein eigenes Ausbildungswesen das Bild der knapp 9.500-Einwohner-Kommune – und ganz am Rande führt der Ortsname noch zu einer dritten, überraschenden Bedeutung.

Die Anfänge des Glashandwerks

Die Geschichte beginnt lange vor der eigentlichen Stadtgründung. Bereits 1421 entstand im heutigen Ortsteil Rabenstein die erste Glashütte der Region. Der dichte Baumbestand des Waldes lieferte reichlich Brennmaterial zum Schmelzen, klare Quarzsande und weiche Quellwässer sorgten für die übrigen Rohstoffe – ideale Bedingungen für ein Handwerk, das schnell Wurzeln schlug. Zunächst stellten die Glasmacher einfache Fensterscheiben, Glasknöpfe und Rosenkränze her, später kamen Trink- und Ziergläser aller Art hinzu.

Ein Sprichwort aus dem 15. Jahrhundert bringt den Stolz der Menschen auf ihr Handwerk auf den Punkt: „Fein Glas und gut Holz sind Zwiesels Stolz.“ Dieser Satz begleitet den Ort bis heute und taucht in Museen, Broschüren und auf Schautafeln entlang der Glasstraße immer wieder auf. Aus unscheinbaren Hüttenbetrieben wuchsen im Lauf der Zeit größere Manufakturen, und aus einzelnen Glasmachern wurden ganze Glaskünstler-Dynastien, die noch heute mit der Gegend verbunden sind.

Handwerk und Werkstätten: Von der Glasfachschule bis zur Kristallmanufaktur

Damit das Wissen um Schmelztemperaturen, Formen und Schliffe nicht verloren ging, gründete die Kommune 1904 die Glasfachschule. Sie bildet bis heute Nachwuchs für die Glasindustrie aus und gilt als eines der wichtigsten Ausbildungszentren für Glasberufe in Bayern. Wer die Werkstätten und Ateliers besucht, trifft auf ein breites Spektrum: von traditionellen Hütten über moderne Manufakturen bis zu freien Glaskünstlern, die Skulpturen und Unikate fertigen. Wer sich für Glaskunst interessiert, findet zudem in kleinen Galerien der Altstadt Arbeiten freischaffender Künstler und darf dort gern auch selbst die Werkstätten besuchen.

Besonders bekannt ist die Kristallmanufaktur Theresienthal, deren Gläser seit dem 19. Jahrhundert weit über die Region hinaus geschätzt werden. Auch die Zwiesel Kristallglas AG prägt das industrielle Bild am Ort – ihre über acht Meter hohe Kristallglas-Pyramide aus rund 93.000 Weingläsern zählt zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten am Marktplatz und gilt vielen Gästen als eine kleine Welt für sich. Zur offiziellen Geschichte der Hütten liefert die Glasstadt Zwiesel selbst eine ausführliche Übersicht.

Glasbläser bei der Arbeit an geschmolzenem Glas in einer traditionellen Glashütte
Glasbläser bei der Arbeit an geschmolzenem Glas in einer traditionellen Glashütte

Was den Ort bis heute prägt

Das Thema Glas ist längst kein Museumsstück, sondern gelebter Alltag. Mehrere feste Termine im Jahreslauf zeigen das deutlich, und für Gäste ergeben sich daraus zahlreiche Möglichkeiten, das Handwerk hautnah zu erleben:

  • Zwieseler Glastage: eine wechselnde Ausstellung mit Sonderschauen rund um das Handwerk
  • Glasnacht Mitte August: ein großes Fest, bei dem der Ort seine Tradition ausgiebig feiert
  • Erste Deutsche Glasstraße: eine touristische Route, die sich durch den Bayerischen Wald schlängelt und auch hier vorbeiführt
  • Glasmacherkapelle (auch Glaskapelle genannt) in der Moosau: eine stille Kapelle, die an die alten Hüttenmeister erinnert
  • Deutsches Waldmuseum: eines der ältesten Waldmuseen Deutschlands mit Bezug zu Holz und Glas als Rohstoffen der Region

Wer nach dem Rundgang durch die Werkstätten noch ein Souvenir sucht, findet in den Werksverkäufen oft mehr als nur Trinkgläser. Das Angebot reicht von handgefertigten Vasen bis zu filigranen Kunstobjekten, und mancher Fund eignet sich später auch als originelle Geschenkidee – nicht nur für Sammler, sondern auch für alle, die abseits ausgetretener Pfade nach etwas Besonderem suchen.

Wer mit dem Auto anreist, erreicht Zwiesel am schnellsten über die Bundesstraße 11, die den Ort mit Regensburg im Norden und Passau im Süden verbindet. Mit der Bahn führt die Bayerwaldbahn direkt in die Innenstadt, sodass ein Ausflug in die Glaswerkstätten auch ohne eigenes Fahrzeug gut zu planen ist. Für einen ganzen Tag reichen Stadtrundgang, ein Besuch der Kristallmanufaktur und eine Pause in einem der zahlreichen Cafés meist völlig aus.

Merkmal Angabe
Lage Bayerischer Wald, Landkreis Regen
Einwohner rund 9.500
Höhe etwa 585 Meter
Status staatlich anerkannter Luftkurort
Erste Hütte 1421, Ortsteil Rabenstein
Fachschule für Glasberufe gegründet 1904
Kristallglas-Pyramide aus tausenden Weingläsern auf dem Marktplatz von Zwiesel
Kristallglas-Pyramide aus tausenden Weingläsern auf dem Marktplatz von Zwiesel

Neben dem Handwerk zählen auch Natur und Sport zum Ort: Der Nationalpark Bayerischer Wald liegt in unmittelbarer Nähe, und die umliegenden Berge laden sowohl im Sommer als auch im Winter zu Wanderungen und alpinen Skitouren ein – ein Erlebnis, das viele Gäste bewusst mit dem Besuch der Hütten verbinden. Wer im Anschluss noch eine andere Landschaft erleben möchte, findet zum Beispiel bei einer Nordsee Ferienwohnung am Strand einen passenden Kontrast, ebenso wie ein Kroatien Urlaub mit Flug eine mediterrane Ergänzung zur waldigen Mittelgebirgsluft sein kann.

Häufige Fragen zu Zwiesel und seiner Glastradition

Woher stammt der Name der Glasstadt?

Er geht vermutlich auf die Lage am Zusammenfluss zweier Flussarme zurück – eine Gabelung, wie sie auch in anderen geografischen Bezeichnungen der Region auftaucht.

Seit wann wird hier Glas hergestellt?

Belegt ist die Herstellung seit 1421, als im Ortsteil Rabenstein die erste Hütte entstand. Seither zieht sich das Handwerk ohne Unterbrechung durch die Ortsgeschichte.

Was macht die Glasfachschule besonders?

Sie wurde 1904 gegründet, um Fachkräfte für das heimische Glashandwerk auszubilden, und gehört bis heute zu den zentralen Ausbildungsstätten für Glasberufe in Deutschland.

Wie kommt man am besten nach Zwiesel?

Mit dem Auto geht es über die Bundesstraße 11 direkt in den Ort, mit der Bahn verkehrt die Bayerwaldbahn zwischen Plattling und Bayerisch Eisenstein und hält mitten in der Stadt.

Zwiesel als Begriff aus der Baumkunde

Neben der Glasstadt kennt die deutsche Sprache noch eine dritte, deutlich weniger bekannte Bedeutung des Wortes: In der Baumkunde bezeichnet Zwiesel die Gabelung eines Stammes in zwei annähernd gleich starke Äste – ein Wuchsmerkmal, das je nach Form die Stabilität eines Baumes unterschiedlich stark beeinflusst. Wer sich für weitere Fachbegriffe aus der Baumsprache interessiert, etwa für die Jahresringe im Querschnitt eines Stammes, findet mehr dazu in einem weiterführenden Beitrag.

Diesen Artikel teilen
Julius
Von Julius
Julius Weidemann, wohnhaft in Berlin, ist ein leidenschaftlicher Schriftsteller und Redakteur. Seine akademische Laufbahn begann mit einem Studium der Literatur und Philosophie, das er im Jahr 2010 erfolgreich in Berlin abschloss. Seitdem hat er seine Begeisterung für das geschriebene Wort in eine Vielzahl von Werken eingebracht. In seinem Privatleben teilt er seine Liebe zur Literatur und zu abenteuerlichen Reisen mit seiner Frau und einem Kind. Obwohl Berlin sein Lebensmittelpunkt ist, zieht es Julius immer wieder in die Ferne, was seine schriftstellerischen Werke mit vielfältigen Perspektiven und Erfahrungen bereichert.